Samstag, 7. Januar 2012

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?
oder
Die Christmette in der äthiopisch orthodoxen Kirche

Bei Gesang und Tanz freuen sich die äthiopischen
Christen über die Geburt Christi. Im Hintergrund
ist die Wand zwischen Altarraum und
Kirchenschiff zu sehen, die mit Ikonen verziert ist.
Es ist schon wieder zwei Wochen her, dass der Heilige Abend und Weihnachten gefeiert wurde. Der Alltag hat sich wieder eingestellt. Kann da jetzt schon wieder Weihnachten gefeiert werden? Ja, und zwar feiert die orthodoxe Kirche das Weihnachtsfest 13 Tage später als die Kirchen des Westens. Hier in Kakuma feierten nun die äthopisch-orthodoxen Christen Weihnachten. Im Education Center arbeitet ein äthiopischer Flüchtling, mit welchem ich an der Liturgie der Weihnachtsnacht teilnahm. Eine kleinere Schwierigkeit bestand darin abends gegen 20 Uhr ins Camp zu gelangen, was in der Regel gar nicht so einfach ist, da die großen Tore, welche einzelne Teile des Lagers von einander trenne aus Sicherheitsgründen bei Einbruch der Dunkelheit gegen 19:00 Uhr verschlossen werden. Aber mit einem kleinen Trick gelang es mir ins Lager zu kommen. Dann verbrachte ich bei meinem Kollegen noch etwa eine Stunde, bevor wir zur äthiopischen Kirche aufbrachen. Die orthodoxe Kirche ist sehr schön ausgestattet - die Wände gestrichen, kleine Ikonen sind an den Seitenwänden, die Ikonostase (das ist die Wand zwischen dem Altarraum und dem inneren Kirchenschiff) ist mit großen Ikonen geschmückt und der Boden mit Teppichen bedeckt. Dagegen wirkt die sehr karge katholische Kapelle nahezu trostlos.
Bei unserer Ankunft wurden wir vom Priester in die Kapelle gebeten. Der Priester ist ebenso wie zwei Mönche ein Flüchtling. Die beiden Mönche und der Priester haben in Kakuma Zuflucht gefunden und sind für die äthiopischen Christen in Kakuma ein großes Geschenk, da so orthodoxe Gottesdienste stattfinden können. Von 21:30 Uhr bis 1 Uhr nachts wurde gebetet, gesungen und vor Freude ueber die Geburt des Herrn getanzt. Um 1 Uhr begann dann der Gottesdienst, welcher sich bis kurz vor 4 Uhr hinzog, die gesamte Feier dauerte also 6 1/2 Stunden. Zum anschließenden Snack musste ich dann auch noch, so dass ich erst gegen 4:45 Uhr wieder bei meinem Kollegen ankam und mich dort auf's Ohr legen konnte (die Nacht war kurz, da wir hier ja auch samstags arbeiten).
Für mich persönlich war es ein Erlebnis diese Liturgie einmal zu erleben - auch wenn ich nichts verstanden habe, da natürlich alles in der liturgischen Sprache Ge'ez statt fand. Es war für mich erstaunlich, dass  keine Ikonen verehrt wurden (wie es sonst in orthodoxen Kirchen meist der Fall ist) und erst am Ende des Gottesdienstes Kerzen angezündet wurden, als eine Prozession um die Kirche stattfand. Sichtlich freuten sich einige Menschen über meine Anwesenheit. Im Anschluss wurde mir klar, dass für einige meine Anwesenheit ein Zeichen einer ökumenischen Verbundenheit darstellte, denn viele der Äthiopier wissen mittlerweile durch meinen Kollegen, der Community Leader für einen Teil der Äthiopier ist, dass ich irgendwie ein Kirchenmann bin. Mir scheint, dass viele den Eindruck haben - weißer Mann also ist er auch ein Kirchenmann. Dies ist momentan in Kakuma ja auch der Fall - die einzigen drei weißen Männer in Kakuma sind Jesuiten. Allerdings wissen viele Äthiopier mich nicht richtig einzuordnen - einige nennen mich Pater, andere Bruder und für andere bin ich ein weißer Katholik, der hier in Kakuma arbeitet.

Der Freudentanz und -gesang der Gläubigen im nachfolgenden Video war das Ende der Gebetszeit und kurz danach begann die Messfeier. Insgesamt ist es sehr dunkel - liegt zum einen daran, dass die Beleuchtung nicht so prickelnd war und zum anderen an den Weihrauchschwaden im Raum - an Weihrauch sparen unsere orthodoxen Brüder jedenfalls nicht.

Allen orthodoxen Christen wünsche ich eine gesegnete Weihnachtszeit!

1 Kommentar:

  1. Da muss man ja beim Pfarrer eher von einer Sportart als einer geisteswissenschaftlichen Betätigung sprechen =)

    K.

    AntwortenLöschen