Montag, 25. April 2011

In Kakuma ersteht Christus einen Tag früher! - oder - Frohe Ostern!

Heute möchte ich ein wenig über die Kar- und Ostertage in Kakuma berichten. Da die liturgischen Texte in der katholischen Kirche weltweit identisch sind, waren keine grossen Überraschungen zu erwarten. Die Gottesdienste, die ich besuchte, wurden von Jesuiten gehalten - P. Garry Smith (USA) und P. Chris Jenkins (Australien).

Letzten Sonntag wurde also auch in Kakuma Palmsonntag gefeiert - und zwar mit einer richtigen Prozession, nicht wie in Deutschland nur vom Kirchhof in die Kirche hinein. Wir hatten sogar Palmzweige - allerdings , wie zu erwarten, vollkommen vertrocknete.
 
Am Abend nach der Feier des letzten Abendmahles, fuhren wir zur Kommunitaet der Salesianer Don Boscos. Die Salesianer vor Ort sind schon seit vielen Jahren fuer die Seelsorge im Camp verantwortlich und froh, wenn Jesuiten aushelfen oder für eine längere Zeit sich pastoral engagieren. Die drei Salesianer kamen alle ein wenig spaet zurueck (sie begannen nach gutem afrikanischen und indischem Brauch die Messfeier 30 Minuten oder sogar eine Stunde spaeter als angesetzt). Dies hielt uns Jesuiten jedoch nicht davon ab schon die Feier zu eroeffnen und ein oder zwei kalte Bier zu trinken. Einen der drei Salesianer (ein Inder) schaetze ich unheimlich - seine dienende Grundhaltung - gegenüber Flüchtlingen und auch uns - macht ihn für mich zu einem sehr angenehmen Menschen. Da zwei der drei Salesianer Inder sind, gab es dann auch ein indisches Abendessen. Hmmm. Dies war eine gelungene Abwechslung zu den täglichen roten Bohnen, Kohl und Ziegenfleisch   An diesem Abend aß ich wahrscheinlich doppelt so viel wie normalerweise.

Der Karfreitag war nicht besonders spektakulaer - und doch beeindruckend wie einer nach dem anderen zu Kreuzverehrung nach vorne kam. Die Feiern waren liturgisch nicht spektakulär - und doch hatten sie etwas Besonderes, welches gerade auch der Zelebrant einbrachte.

Zu Beginn der Osternacht - es ist 16 Uhr und
der Sonnenuntergang beginnt gegen 19:00 Uhr.
Von Dunkelheit kann also keine Rede sein.
Die Feier der Osternacht begann bei uns in Kakuma schon zeitig - wenn der Gottesdienst früher beginnt, kann die Party danach ebenfalls früher beginnen. Entsprechend entschloss man sich in Kakuma die Osternacht bereits um 16 Uhr nachmittags zu beginnen. Und daher ersteht Christus in Kakuma nicht erst am dritten sondern bereits am zweiten Tag - also ein Tag früher als im Rest der Welt. Das Foto rechts wurde zu Beginn des Gottesdienstes aufgenommen. Schließlich stellte es sich auch als Herausforderung dar das Osterfeuer zu entzünden. Aber mit ein wenig Papier und Plastik brannten schließlich doch zwei Zweige und die Osterkerze konnte angezündet werden. Der Holzhaufen blieb insgesamt jedoch unberuehrt - daher muss naechstes Jahr schon niemand Holz suchen gehen. Die Symbolik Christus als Licht, welches die Nacht erhellt und zu uns kommt, hatte aufgrund der starken Sonneneinstrahlung und der Hitze  seine Kraft ein wenig verloren - besonders auch, da die Kerzen nach Einzug in die Kapelle ausgeblasen wurden - ansonsten wäre es einfach nur furchtbar heiss geworden. Warum die Osternacht bereits um 16 Uhr gefeiert wurde? Die Liturgie dauert ohnehin ein wenig länger, dann gab es sieben Taufen und da ab 19 Uhr die einzelnen Teile des Camps mit Hilfe großer Tore abgeriegelt werden, so dass von aussen keine Diebe eindringen können, mussten bis ca. 19 Uhr alle wieder zu Hause sein. Daher entschloss man sich die Osternacht vorzuverlegen - ich denke ein guter Entschluss, denn wäre es besser gar keine Osternacht zu feiern?

Die wahre Osterfreude war dann am Sonntag zu spüren. Die sogenannten Kizito Tänzer durften nach der 40-taegigen Fastenzeit wieder im Gottesdienst tanzen. Ihr Enthusiasmus schien geradezu die Gottesdienstgemeinde anzustecken. Und so wurde im Gottesdienst gesungen, geklatscht - und auch ein wenig gegroelt. Diese Art von Gottesdiensten sind schon etwas Besonderes. Im Video ist ein Ausschnitt aus dem Danklied kurz vor Ende des Gottesdienstes zu sehen (es lohnt sich das Video bis zum Ende zu schauen!)

Sonntag, 3. April 2011

Eroeffnung des Fernstudiums - oder - Wir koennen es nicht den Ignoranten und Idioten ueberlassen!

Vor etwa zwei Wochen wurde nun offiziell das Fernstudienprogramm eroeffnet. Bei solchen Veranstaltungen werden auch in Afrika traditionell einige Reden geschwungen und es gibt als Unterhaltung zwischendurch einzelne Auffuehrungen. Im Video anschliessend fuehrt eine Schulklasse einen traditionellen Tanz und Gesang auf.
Einer der Redner vor Ort war P. Frido Pflueger. Er kommt aus Deutschland und ist seit knapp drei Jahren  in Nairobi und ist verantwortlich  fuer den Jesuitenfluechtlingsdienst in Ostafrika, also in Kenia, Tansania, Uganda, Aethiopien und dem Nord- und Suedsudan. Hier ein Auszug aus seiner Rede:
 "…Warum fuehren wir nun das Fernstudiums hier im Fluechtlingslager ein? Jesuiten engagieren sich im Bereich der Ausbildung seit fast 500 Jahren. Wir sehen es als unsere Aufgaben an Menschen auszubilden, die sich in Liebe fuer Gerechtigkeit einsetzen. In den Prinzipien der ignatianischen Paedagogik werden die grundsaetzliche Punkte ausgefuehrt, die bei der Ausbildung wichtig sind. Meiner Meinung nach sind drei Dinge zu betonen und dann noch ein Nachschub aufzufuehren. Also sind es insgesamt eigentlich vier Punkte.
P. Pflueger waehrend seiner Rede

1. Wir benoetigen Menschen mit Kompetenz (competence). Menschen, die etwas wissen, die wissen wovon sie reden. Menschen, die Probleme erkennen und sie loesen koennen oder wenigstens daran interessiert sind sie zu loesen. Manchmal weiss man nicht wie ein Problem geloest werden kann, ein Problem kann zu gross sein. Aber mit Ignoranten und Idioten koennen wir keine Probleme loesen. Wir koennen die Probleme nicht den Idioten ueberlassen. Aber Kompetenz ist nicht genug. Es gibt viele Menschen auf der Welt mit Wissen, die wissen wie sie anderen Menschen das Geld aus der Tasche stehlen, gerade in Diktaturen und korrupten Strukturen. Es gibt gibt genuegend kompetente, ausgebildete Menschen, die ihr Volk unterdruecken. Diese Menschen benoetigen wir nicht. Und so kommen wir zum zweiten Punkt.
2. Wir benoetigen Menschen mit einem guten Gewissen, d.h. Menschen, die die Gabe haben zwischen gut und schlecht zu unterscheiden und entsprechend sich fuer das Gute entscheiden. Aber auch dies ist noch nicht ausreichend. Wir lesen im Brief des Apostels Paulus: Wenn es keine Liebe gibt, dann ist alles unnuetz. Dies fuehrt bereits zum dritten Punkt.
3. Daher benoetigen wir Menschen mit Leidenschaft. Menschen, die ein grosses Herz besitzen und die sich um das Wohl anderer sorgen und nicht alleine an sich denken. Menschen, die ihre Faehigkeiten, ihr Wissen einsetzen um in guter Absicht anderen zu helfen. Und so komme ich nun zum vierten Punkt.
4. P. Arrupe, der Gruender des Jesuitenfluechltingsdienstes, betonte immer wieder: Wir muessen Maenner und Frauen fuer andere ausbilden.
Und so kann zusammengefasst warden, dass wir Menschen mit Wissen, einem guten Gewissen und Leidenschaft benoetigen und ausbilden wollen, die Maenner und Frauen fuer andere sind…"


Nachdem die neuen Gebaeude noch eingeweiht wurden, kam es auf dem Vorplatz zur letzten Auffuehrung. Eine burundische Trommelgruppe gab ihr Bestes! Diese Gruppe ist im Video zu sehen.

 
Wer mehr zu unserer Arbeit in Kakuma wissen moechte und wie wir Menschen fuer andere ausbilden, kann sich hier informieren. Wer unsere Arbeit unterstuetzen moechte, kann dies gerne durch eine Spende (siehe in der rechten Spalte) oder die Einnahmen aus einer Wohltaetigkeitsveranstaltung tun. Allen, die in letzter Zeit gespendet haben ein herzliches Dankeschoen!

Donnerstag, 17. März 2011

Ich ein Missionar? -- Scheinbar!

In der Osnabruecker Kirchenzeitung ist am 13. Maerz 2011 ein Artikel erschienen, in welchem drei Jesuiten (Heribert Mueller SJ, S. H. und ich) Stellung nehmen zu ihrem Verstaendnis als Missionar in Afrika. Nachfolgend ist dieser Artikel zu finden. Zur besseren Lesbarkeit einfach zweimal kurz auf das Bild klicken.

.Viele Gruesse

Christian

Montag, 28. Februar 2011

IT Assistent gesucht - oder - Und dann wurde ich Computeringenieur!

Wie ich Euch bereits ausfuehrlich berichtet habe, bin ich verantwortlich fuer jegliche IT-Angelegenheiten + Generator und das Batteriensystem. Um mich zu unterstuetzen und vor allem Probleme zu loesen, wenn ich keine Lust habe zu arbeiten (wie z.B. waehrend meines Urlaubs oder im Falle von Krankheit), haben wir beschlossen einen Fluechtling als Assistenten einzustellen, der wie andere Fluechtlinge rund 40 Euro pro Monat verdient. Als dies bekannt wurde, fragte mich einer der anderen Fluechtlinge, der vor allem im Programm mit behinderten Schuelern arbeitet: "Was machst Du dann den ganzen Tag, wenn Du einen Assistenten einstellst?" Darauf konnte ich nur noch antworten: "Was wohl? Selbstverstaendlich Urlaub!" Diese etwas freche Frage hat mich durchaus gefreut, denn in Afrika ist dies gegenueber einem Uebergeordneten noch weniger moeglich als in Europa. Letztlich muss hierfuer bereits ein grosses Vertrauen vorhanden sein.

Das Studienzentrum in Kakuma - diese Baeume werden regelmaessig mit Unmengen
Wasser gegossen. Zu Beginn meiner Zeit hier hielt ich es fuer Wasserverschwendung.
Als ich erfuhr, dass hier in Kakuma GTZ (eine deutsche Organisation) fuer "Forstaufbau"
zustaendig ist und das Pflanzen von Baeumen und Straeuchern unterstuetzt wird, waren
meine Zweifel vollstaendig vom Tisch. Eine deutsche Organisation kann sich nicht irren, oder?


Auf unsere Stellenausschreibung haben sich immerhin 5 Personen beworben. Nicht alle Bewerbungen waren wirklich aussagekraeftig, aber da es nur fuenf waren, entschloss ich mich alle zum Vorstellungsgespraech einzuladen. Ich ging sehr zuversichtlich in die Vorstellungsgespraeche, denn wenigstens ein Kandidat erschien mir als geeignet: Seine Zertifkate waren vielversprechend und als ich ihn einige Tage vor dem Vorstellungsgespraech traf, hatte ich einen guten Eindruck von ihm.
Er war dann auch der erste an der Reihe: Wir plauderten ein wenig ueber seine Erfahrungen und da ich wissen wollte, was wirklich stimmt, gab ich ihm einige kleine Aufgaben zunaechst zwei sehr einfache, um die Nervositaet abzubauen (wie einen Text zu kopieren und an einer anderen Stelle einfuegen oder einfach nur auf dem Computer seinen Namen und seine Herkunft zu tippen). Ja, er war nervoes - aber ich hatte einen guten Eindruck. Dann erklaerte er mir was ein Antiviren Programm ist und auch was eine IP Adresse ist. Am Ende des Gespraechs fragten wir ihn bezueglich seiner Zukunftsplaene. Die Antwort war kurz: Er habe ein Stipendium erhalten und koenne im August nach Canada zu einem Studium gehen. Schoen fuer ihn! Musste er sich dann jetzt noch bewerben? Somit war mein Wunschkandidat aus dem Rennen!
Auch der zweite Kandidat machte einen ordentlichen Eindruck - in der Mitte des Gespraechs war ich von seinen Faehigkeiten ueberzeugt, auch wenn sein Englisch nicht sehr gut war. Und so kamen wir zum Punkt, welche Plaene er fuer sein Leben hat. Und seine Plaene waren sehr klar: Er sei im Umsiedlungsprozess fuer Australien. Da es hier verschiedene Stufen gibt, wollten wir einige weitere Informationen haben. Das Resultat: Die medizinische Untersuchung sei bereits vorueber - was soviel heisst, dass er in zwei bis drei Monaten nach Australien fliegt.
Interessant! Und warum bewerbt Ihr Euch ueberhaupt, wenn Ihr ohnehin bald die Fliege macht?!? Ich war schon ein wenig genervt - vor allem weil die Qualifikationen der beiden ersten Kandidaten mit Abstand am vielversprechendsten waren.
Also kam der dritte Kandidat. Er hat schon unendlich viele Kurse hier im Camp belegt - zu psychologischer Beratung, Gesundheitsaufklaerung, Child Protection... und eben auch einen Kurs in Computergrundlagen und einen Aufbaukurs in Software, Hardware und Netzwerken. Nachdem er zu reden begann, konnten wir ihn kaum noch stoppen. Er sprach ueber die vielen Dinge, die er gemacht hat (was uns nicht interessierte). Schliesslich konnte ich ihn die beiden Einstiegstests machen lassen - na ja, es dauerte schon recht lange, aber es ging. Auf die Fragen nach Antivirensoftware, Firewall und IP Adresse redete er und redete und redete. Ich verstand ihn nicht so richtig, aber schluessig war dies alles definitiv nicht - manche Dinge waren haarstraeubend! In diesem Moment dachte ich mir: Lieber mache ich hier alles alleine, als jemand einzustellen, der mich den ganzen Tag vollquaselt!
Der vierte Kandidat war recht nett - er hatte einige Grundqualifikationen, aber eben nur Basiswissen. Hinzu kommt, dass er ein gutes Stueck entfernt wohnt und wir uns fragten, wie er wohl die Distanz immer bewaeltigen wird. Aber er war sehr ehrlich: Wenn ich ihn etwas fragte und er es nicht wusste, dann gab er es zu - dies ist nicht so selbstverstaendlich hier. Aber in solchen Faellen kann ich Dinge erklaeren - ansonsten macht jemand einfach etwas und am Ende ist das Resultat niederschmetternd.
Den absoluten Abschuss leistete sich die 5 Kandidatin. In der Bewerbung hiess es: "Ich habe einen Kurs in Gemeinschaftsentwicklung gemacht und im Anschluss einen Abschluss in Computerwissenschaft gemacht. Im Anschluss wurde ich dann Computeringenieur in einem der oertlichen Institutionen." Zeugnisse waren der Bewerbung leider nicht beigelegt. Mit den Aufgaben Kopieren/Einfuegen, dem Tippen und der Frage nach Antivirensoftware war sie vollkommen ueberfordert. Dann erklaerte sie, dass im Zusammenhang der Gemeinschaftsentwicklung sie auch Computerstunden gehabt habe und Freunden mit dem Computer helfe. Worauf ich sie dann noch fragte, was die Studieninhalte beim Computerstudium in Nairobi waren und wie sie Computeringenieur wurde. Hier musste sie vollkommen passen: Alles war erstunken und erlogen!

Wir haben nun den 4 Kandidaten eingestellt. Meine Hoffnung ist, dass er sehr schnell lernt. Ja, diese Bewerbungsgespraeche sind schon lustig - auch wenn ich zwischendurch nicht mehr daran glaubte einen Assistenten zu erhalten.

Freitag, 11. Februar 2011

Wie sieht es eigentlich im Fluechtlingslager aus?

Heute moechte ich Euch ein wenig berichten, wie es im Fluechtlingslager aussieht. Meine Vorstellung von einem Fluechtlingslager sah bis vor einem halben Jahr etwa so aus: Menschen leben in Zelten, ueberleben lediglich aufgrund der Lebensmittelrationen der UNO und besitzen keine medizinische Versorgung.  In Kakuma war dies die Situation in den 90-er Jahren - seitdem hat sich allerdings vieles veraendert.
Da Fluechtlinge in der Regel viele Jahre im Camp verbringen, haben sie mit der Zeit Wohnhuetten gebaut. Dies sind in der Regel Lehmhuetten, die mit einem Wellblechdach ausgeruestet sind. In einer solchen Ein-Raum Huette leben meist mehrere Personen (Familien oder Geschwister...) - es koennen bis zu sechs  oder sieben Personen sein. Einige dieser Huetten teilen sich dann ein Plumpsklo. Eine Organisation bietet medizinische Hilfe, welche wirklich nur rudimentaer ist.
Zweimal taeglich besteht fuer eine Stunde die Moeglichkeit
an oeffentlichen Plaetzen Wasser in Kanister zu fuellen
und nach Hause zu transportieren - entweder im
Schubkarren, auf dem Kopf,...
Das Wasser fuer den taeglichen Bedarf erhaelt man an einer Wasserstelle, vor welcher immer wieder viele Menschen Schlange stehen. Zweimal taeglich besteht fuer eine Stunde die Moeglichkeit Wasser in Kanister zu fuellen. Nach einem mir unverstaendlichen System werden die eigenen Kanister abgestellt, welche die Reihenfolge markieren. Die Menschen warten dann im Schatten bis sie an der Reihe sind.
Zwei Mal monatlich werden vom Welternaehrungsprogramm (WFP) Lebensmittelrationen verteilt. Diese umfassen Maismehl, Reis, getrocknete rote Bohnen - und mit etwas Glueck einige hygienische Utensilien. Frisches Gemuese, Obst oder Fleisch kann bei den Temperaturen in Kakuma nicht gelagert werden und wird somit auch nicht ausgegeben. (Die gesamten Gueter werden in einem Zeitraum von zwei Wochen angefahren, zwischengelagert und schliesslich zum festgesetzten Termin beginnt die Lebensmittelverteilung).

In dieser Hauptverkehrsstrasse gibt es wie
an anderen Stellen im Camp einige kleine
Staende, Geschaefte und Lokale.
Mit den Jahren entwickelte sich daher im Camp ein Handel. In kleinen Geschaeften gibt es allerlei  fuer den alltaeglichen Bedarf zu kaufen. Ebenso gibt es  Metzgereien, die von einem Schlachthaus Fleisch erhalten - welches mit Tieren von der lokalen Bevoelkerung beliefert wird. Auf dem Markt gibt es ein wenig Gemuese, Zwiebeln, gelegentlich Tomaten, Karotten, Kohl. Diese Dinge werden mit privaten LKWs einige 100km angekarrt und vor Ort verkauft. Auch Handwerker sind im Camp zu finden: Schneider, Schuhmacher, Mechaniker...
Auf dem Foto ist die Hauptstrasse des Camps zu sehen. Sie ist viele Kilometer lang und fuehrt durch das gesamte Camp (inwiefern dies wirklich als Strasse bezeichnet werden kann angesichts der Loecher und Huegel auf der Fahrbahn sei dahingestellt).

Es gibt kleine Lokale, in denen man einen Tee oder Kaffee trinken und auch etwas Essen kann. Selbstverstaendlich ist dies alles sehr einfach aufgebaut - eine groessere Lehmhuette mit Lehmboden, und einigen Plastikstuehlen.
Wenn ich das Bild so anschaue, frage ich mich, ob mir an
diesem Tag kalt war. Anders kann ich mir nicht erklaeren,
dass ich ein langaermeliges Hemd trug. Aber
wahrscheinlich hatte es nur 36 Grad Celsius.
In der Ecke des Raumes wird mit Holzkohle Wasser gekocht und in einem Nebenraum sind einige kleine Kochstellen zu finden, die ebenfalls mit Holzkohle betrieben werden. Im Vorraum eines solchen Lokals trinke ich gelegentlich in einer kurzen Pause oder sonntags einen Tee.

Woher haben die Menschen Geld, um einkaufen zu gehen? Ist in diesem Fall die Hilfe von Organisationen ueberhaupt notwendig? Koennte sich dies nicht alles selbst tragen?

Nur weil Organisationen hier taetig sind, laeuft es relativ rund. So werden in unseren Programmen behinderte Menschen die Moeglichkeit den Tag lernend und spielend zu verbringen, traumatisierte Menschen erhalten Hilfe, im Frauenhaus koennen misshandelte Frauen unterkommen und im Bildungsprogramm wird eine Basis fuer die Zukunft geschaffen (siehe auch "Der Jesuitenfluechtlingsdienst und seine Arbeit"). Und in all diesen Bereichen bekommen Fluechtlinge eine Ausbildung und arbeiten dann mit uns, um anderen Fluechtlingen zu helfen. Ebenso beschaeftigen andere Organisationen Fluechtlinge. Dabei verdient ein Fluechtling etwa 45 Euro im Monat. Wenn er/sie verheiratet ist und einige Kinder hat, dann verdient er genuegend um ein wenig Gemuese und ein wenig Fleisch zu kaufen.
Wenn die Unterstuetzung der Organisationen wegfallen wuerde, saehe es hier bald ganz anders aus. Und selbstverstaendlich sind fuer alle Menschen zusaetzlich die Rahmenbedingungen schwierig: Bereits seit 5, 10 oder 15 Jahren von der Heimat weg, Ungewissheit ob einzelne Familienangehoerige ueberhaupt noch leben, Verlust der meisten Habseligkeiten, psychische und physische Beschwerden aufgrund der Erlebnisse, und nun in einer Gegend mit durchschnittlichen Tagestemperaturen um 39 Grad Celisus mit viel Staub.

Sonntag, 30. Januar 2011

Mmmmhhh lecker! - oder - Die kulinarischen Qualitaeten Kakumas

Getreu dem Motto: "Andere Laender, andere Sitten", moechte ich Euch heute ein wenig mehr ueber mein Leben erzaehlen - und zwar was es zu den verschiedenen Mahlzeiten gibt.
Zu Beginn meines Aufenthaltes konnte ich schnell feststellen, dass das Essen ueberhaupt nicht scharf ist, abgesehen von Chili Schotten, die gelegentlich im Salat anzutreffen sind. So gesehen hatte ich bisher ueberhaupt keine Probleme mit dem Essen. Doch was gibt es hier in Kakuma?

Die Anrichte zu Mittag und Abend unterscheidet sich kaum.
Aber es gibt immerhin genuegend.
Mit Freude genoss ich am ersten Tag bereits fritierte Kartoffeln, so dass ich fuer die Zukunft guter Hoffnung war, schliesslich esse ich gerne Ketchup mit Pommes. Ebenso gab es an meinem ersten Tag noch geduensteten Kohl sowie rote Bohnen; vom Fleisch war ich nicht so sehr angetan - es handelte sich um recht zaehes Ziegenfleisch. Alternativ zu den Kartoffeln gab es Maisbrei (welcher mir nicht schmeckte) und Reis. Als Desert gab es dann Wassermelone, Ananas und Bananen. Insgesamt hoert sich dies doch gar nicht so schlecht an, oder? Nun muesste sich der eine oder andere vielleicht doch die Frage stellen: Warum erinnert sich Christian noch so genau an seine erste Mahlzeit? Und da kommen wir zum springenden Punkt: Abgesehen von den fritierten Kartoffeln gibt es noch gelegentlich Nudeln - ansonsten gibt es immer dieses Essen - und zwar zum MITTAGESSEN und ABENDESSEN!
Mit viel Glueck gibt es gelegentlich noch Fisch - den Grossfang, welcher uns  in den naechsten zwei Monaten fuer zwei Mahlzeiten woechentlich Fisch garantiert, laesst sich auf dem Foto bewundern.
Der Fisch kommt aus dem Lake Turkana
etwa 150 km entfernt und wiegt rund 40 kg.
Von einer grossen Abwechslung kann jedenfalls nicht die Rede sein. Aber wie koennte eine solche Abwechslung auch moeglich sein. In der Hitze und dem Staub Kakumas lassen sich schwer Gemuese oder ahenliches anbauen. Und was einige hundert Kilometer transportiert werden muss, sollte dann lange haltbar sein - und dies sind Kohl und vor allem die roten Bohnen mit Sicherheit. Zu Beginn habe ich die Kartoffeln, den Kohl und die roten Bohnen genossen, doch mittlerweile ist es unerklaerlicherweise nur noch fade. Was das Fleisch betrifft, so hat Ziegenfleisch in Ostafrika eine grosse Tradition - bei jedem Fest muss auf jeden Fall eine Ziege geschlachtet werden. Da Ziegenfleisch ein muss ist, haben wir auch taeglich (meist zweimal taeglich) Ziegenfleisch. (Huehner- oder Rindfleisch ist hier kaum erhaeltlich).
Nun hat das Ziegenfleisch hier eine besondere Charakteristik: Ich beginne zu kauen und nach ca. 97 Mal kauen fuehlt sich das Fleisch genauso zaeh an wie beim ersten Kauen. Hinzu kommt, dass es fuer meinen Geschmack nach nichts schmeckt. 
Gelegentlich stelle ich mir beim Essen vor, welche Kostbarkeiten Ziegen
beim Weiden wohl verzehren. Wie sonst soll es sonst dazu kommen, dass
das Fleisch zo zaeh ist? Wenn ich mir dies so vorstelle, 100 Mal kaue ohne
dass sich etwas veraendert und schliesslich auch keinen Geschmack hat,
verzichte ich ganz gerne auf Ziegenfleisch.
Ist Ziegenfleisch immer so zaeh? Diese Frage stellte ich mir zu Beginn - mittlerweile habe ich meine eigene Theorie zu diesem Thema. Wie auf dem folgenden Foto zu sehen ist, geniesse ich mein Essen durchaus gelegentlich und stelle mir vor, wo das Essen herkommt. Ziegen weiden auf freiem Feld (besser Staub) und natuerlich kann es vorkommen, das die Ziegen an Plaetzen halt machen, wo ein wenig Muell vorhanden ist, getreu dem Motto: Wo Muell ist koennte es ja auch noch etwas Fressbares geben. Und da an diesen Plaetzen auch Plastiktueten und Plastikflaschen liegen, frisst die Ziege an sich Unmengen Plastik - was dann zu einer gewissen Zaehigkeit des Fleisches fuehrt. -- Na wenn das nicht chewy ist? 

Ich wuensche Euch einen guten Appetit!

Freitag, 21. Januar 2011

Spezialisten gesucht - oder - Das Studium beginnt!

Nachdem in den letzten Monaten die Fluechtlinge hier Einfuehrungskurse erhalten haben, hat nun diese Woche offiziell das Fernstudiumprogramm JC-HEM (Jesuit Commons - Education at the Higher Margins) begonnen. Bei diesem Programm erhalten hier in Kakuma 35 Fluechtlinge jaehrlich die Chance ein dreijaehriges Fernstudium an einer Jesuitenuniversitaet in den USA zu absolvieren. Fuer viele ist dies die einzige Moeglichkeit nach erfolgreichem Schulabschluss ein Studium zu beginnen, da die durchschnittliche Verweildauer in dieser Art von Fluechtlingslager etwa 18 Jahre betraegt (so etwas haette bis vor einigen Monaten nicht fuer moeglich gehalten).
Ein Blick in den Computerraum
Zum reibungslosen Ablauf des Studiums ist selbstverstaendlich eine stabile Internetverbindung sowie ein gut funktionierendes Computernetzwerk notwendig - wofuer ich als Spezialist engagiert wurde:-). Allerdings benoetigt man nicht nur hier in Afrika ein stabiles Netzwerk, sondern auch in den USA. Da die Amerikaner wohl nicht so sehr mit Spezialisten gesegnet sind, konnten sich unsere Studenten in den ersten Tagen auch nicht auf ihrem Account in den USA einloggen. Wer die USA bei ihren Bemuehungen unterstuetzen will, melde sich bitte bei mir.

Die Studieninhalte sind breit gefaechert. Zu den Themen werden gehoeren: Lerntheorie, Ethik und Leadership, interkulturelle Kommunikation, Konfliktmanagement, Einfuehrung in Finanzen und Betriebswirtschaft, Wirtschaftsethik, Anthropologie, Logik und kritisches Denken, Weltreligionen etc. Manch einer fragt sich vielleicht, wofuer dieses Studium gut sein mag. Wie sehen die Studenten dies?

Der Fluechtling C. aus dem Sudan erklaert, dass er sich ueber dieses Chance ungemein freue - damit haette er niemals gerechnet. Bisher wurde ein solches Studienprogramm im Camp nicht angeboten. "Wenn ich spaeter ein etwas spezialisiertes Studium absolvieren moechte, dann habe ich schon viele grundlegende Studienkenntnisse, die sehr hilfreich sein werden." Und wenn er diese Chance nicht erhaelt, ist das Studium vergeudete Zeit? "Nein", antwortet er energisch. "Dieses Studium entwickelt meine Persoenlichkeit. In den ersten Monaten habe ich sehr viel ueber mich gelernt - mich selbst vollkommen anders wahrgenommen und mehr reflektiert - warum Dinge tagsueber schief liefen, was schoen war... Im Studium erhalte ich einen anderen Blick fuer die Realitaet; es oeffnet meine Augen und erweitert meinen Horizont... Das Ziel des Studiums ist es am Ende Menschen fuer andere zu sein, d.h. die erworbenen Erfahrungen und das Wissen nicht fuer sich selbst egoistisch einzusetzen, sondern anderen zur Verfuegung zu stellen." Da z.B. ausgebildete Lehrer sowohl im Camp als auch im Sudan Mangelware sind, koennte das Studium spaeter auch auf diese Weise sinnvoll angewendet werden. Schliesslich fuegt C. noch hinzu: "Mit Hilfe des Studiums werde ich andere Kulturen - wie z.B. der vielen Staemme im Sudan und deren Sichtweisen besser verstehen. Offenheit fuer die Kulturen der anderen Staemme wird fuer den Frieden im Sudan von entscheidender Relevanz sein." Die Breite des Studieninhalts wird C. mit Sicherheit die Moeglichkeit bieten, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Sonntag, 9. Januar 2011

Ein Stueck Sudan in Kenia - oder - Das Referendum zur Unabhaengigkeit Suedsudans

Vor dem Wahllokal in Kakuma
Seit heute dem 09.01.2011 wird im Suedsudan darueber abgestimmt, ob eine Abloesung vom Nordsudan erfolgen soll und ein unabhaengiger Staat gegruendet wird. Auch in Kakuma wird gewaehlt: Sudanesische Fluechtlinge konnten sich vor etwa zwei Monaten hier im Lager registrieren lassen. Zu einem der beiden Wahllokale bin ich heute Nachmittag gegangen, um zu sehen wie die Beteiligung und die Stimmung ist. Insgesamt war die Warteschlange eher kurz, was mich doch eher ueberraschte, da scheinbar ziemlich jeder Sudanese auf jeden Fall waehlen will. Ein Sicherheitsmann erklaerte, dass am Vormittag wesentlich mehr Menschen kamen. Die Stimmung sei gut und die Menschen wuerden sich freuen waehlen zu duerfen. Wie es weitergeht, falls die Abstimmung die Unabhaengigkeit Suedsudans als Resultat hat? Niemand weiss es. Wird es zu Konflikten zwischen dem Norden und dem Sueden kommen? Wird es zu Machtkaempfen im Sueden kommen? Bleibt es insgesamt friedlich? Niemand weiss es. Hier im Lager hoffen und beten alle, dass es friedlich bleiben moege.

Gestern traf ich G., einen Fluechtling aus dem Sudan, der fuer den JRS als Wache arbeitet. Wir gingen einen Kaffee trinken in einem der vielen kleinen Lokale. Nach einigen Minuten erklaerte er auf eine Frage: Fuer die Menschen im Lager sei klar wie die Wahl ausgehe - nicht umsonst sei man Fluechtling. Er anspielt auf die gewalttaetigen Auseinandersetzungen an, die es zwischen dem Nordsudan und dem Suedsudan gab. Das Resultat zweier Buergerkriege sind nach Schaetzungen 2 Mio. Tote und 4 Mio. Fluechtlinge.  G. ist gleich alt wie ich (also 30 Jahre alt) und floh aus dem Sudan mit einigen Familienangehoerigen (Vater und zwei Geschwistern) sowie anderen Sudanesen 1987 nach Aethiopien. Von dort aus ging es dann 1993 weiter nach Kenia. Bei der weiteren Flucht nach Kenia hat er seine Familienangehoerigen vollkommen aus den Augen verloren - er hat keinen Kontakt zu Familienangehoerigen. Von seinen Erlebnissen berichtet er nichts - ich frage nicht nach. Ich moechte ihm die Freiheit lassen zu erzaehlen, was er moechte und ihn zu nichts noetigen. Verschiedene Fragen kommen in mir auf. Ob er einmal zurueck in seine Heimat geht? Was ist seine Heimat? Was soll ihn in den Sudan zurueck bringen? Von seinen 30 Lebensjahren hat er 17 Jahre im Fluechtlingslager in Kakuma verbracht.

Einem anderen sudanesischen Fluechtling, der ebenfalls fuer den JRS arbeitet, merkt man schnell an, dass er viel gelitten hat. Seine Stimme wirkt gebrochen und die ganzen Narben im Gesicht und am Hals kommen nicht von ungefaehr. Er wirkt aengstlich. Ob er eines Tages in den Sudan zurueckkehren wird - falls das Referendum friedlich verlaeuft und die Lord Resistance Army aus dem Sudan verdraengt ist? Ich glaube es nicht - die Erfahrungen in seiner Heimat haben ihn zu sehr veraengstigt.

Eigentlich besteht fuer die beiden Sudanesen nur die Hoffnung, dass sie eines Tages von den USA, Canada oder Australien aufgenommen werden - ansonsten bleiben sie noch viele Jahre in Kakuma.

P.S.: Die FAZ hat ein gutes, kurzes Video zum Referendum im Sudan erstellt. Hier koennt Ihr es anschauen.


Montag, 3. Januar 2011

Zum Feilschen geboren - oder - Mist! Ich wollte doch gar nichts kaufen!

Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich in Nairobi verbracht. Neben einzelnen Besichtigungen wollte ich auch wenig ausloten, wie viel ich als Auslaender fuer Souvenire bezahlen muss. Feilschen finde ich grundsaetztlich eigentlich bloed - ich will einfach nur einen angemessenen Preis bezahlen und nicht gruebeln, ob ein Preis gut oder unverschaemt ist bzw. wie weit ich es mit dem Feilschen bringen kann. Kaufen wollte ich in diesen Tagen definitiv nichts, vielmehr sollten mir die Preise aus dem Feilschen helfen spaeter etwas bei einem Fluechtling zu bestellen, der Schnitzer ist.
Also fuhr ich mit einem Minibus zu einem Maasai Markt (die Maasai sind ein Stamm in Kenia, welche fuer ihre Kunstprodukte bekannt sind). Nachdem ich einige der vielen Staende abgelaufen hatte, wusste ich in etwa, um welche Produkte ich an vielen Staenden feilschen kann. Nun ja, manch einer mag sagen, es sei gemein mit Haendlern zu feilschen, ohne ueberhaupt etwas kaufen zu wollen. Aber die Anfangspreise der Haendler waren zu Beginn grundsaetzlich ebenso unverschaemt, so dass ich mein Handeln gut mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Ich erkundigte mich also an den einzelnen Staenden nach den Preisen. Relativ schnell waren mir die Einstiegsangebote bekannt - bei manchen lagen sie allerdings doppelt so hoch wie bei anderen. Kopfschuettelnd ging ich einfach weiter, wobei natuerlich der Haendler hinterher lief. "The price is negotiable", hoerte ich immer wieder. Egal wie hoch der Einstiegspreis war, nach nur einigen Wortwechseln und einem Beharren meinerseits, dass dies doch viel zu teuer sei, wurde ich aufgefordert meinen besten Preis abzugeben. Gelegentich blieb ich dann wohl viel zu weit unter einem realistischen Preis, so dass die Haendler dann ihrerseits nur den Kopf schuettelten und meinten: "Your price is not realistic!" worauf ich erwiderte: "Your first price was as realistic as my last price." Lachend verabschiedeten wir uns und ich ging weiter. Immer wieder lauschte ich auch bei anderen Verhandlungen, um zu sehen wie weit man runter kommen kann - und zu erfahren, welcher Preis erzielbar ist. Nach einer Stunde wollte ich nach Hause, kam aber nochmals an einem Stand vorbei. Ich schaute mir einen Gegenstand an und erhielt den Einstiegspreis 5.000 Shilling (was als Einstiegspreis schon eher weit unten lag). Darauf fragte die Verkaeuferin, wie viel ich bereit waere zu zahlen. Antwort: 800 Shilling (was zu gegeben schon fast unverschaemt ist)! Schon war die Verkaeuferin bei 2300 Shilling. Meine Antwort: Das ist viel zu viel. Und schon war sie bei 2000 Shilling. Fuer diesen Gegenstand war dies bereits der niedrigste Preis des Tages - "Ha", dachte ich mir selbstsicher, "viel niedriger wird die gute
Die erfeilschte Schuessel - ist sie nicht schoen?
Frau nicht mehr gehen." Ich erklaerte also hoechstens 1000 Shilling bezahlen zu wollen. Schon war der Preis bei 1600 Shilling. Wiederum wurde ich aufgefordert einen Preis zu nennen - ich liess mich darauf ein und nannte 1200 Shilling. Ich dachte mir: "1200 Shilling. Nie und nimmer wird sie sich auf den Preis einlassen - und weiter bewege ich mich einfach nicht!"
Darauf ging die Haendlerin auf 1500 Shilling und schliesslich runter auf 1200 Shilling (etwa 10 Euro). Meine Gedanken waren nur: "Mist! Ich wollte doch gar nichts kaufen!" Ehrlich gesagt habe ich extrem bloed geschaut. Niemals haette ich damit gerechnet diese Schuessel fuer diesen Preis zu erhalten - ich hatte sie aber somit gekauft; wegrennen war nicht moeglich. Nun habe ich eine schoene, handgeschnitzte Schuessel und weiss nicht, was ich damit anfangen soll. Zu meiner Erleichterung meinten in der Jesuitenkommunitaet ein Ugander und ein Kenianer, dass ich dafuer doch mindestens 2500 Shilling, wahrscheinlich sogar 3000 Shilling bezahlen musste. Immerhin konnte ich mir auf die Schulter klopfen und sagen: Du bist zum Feilschen geboren!

Samstag, 25. Dezember 2010

"Ostern in Kenia - oder - Der Stil der Gesellschaft Jesu"?

Waehrend der gesamten Adventszeit hatte ich in Kakuma niemals den Eindruck, dass bald Weihnachten sein koennte. Im gesamten Fluechtlingslager und auch im Wohnbereich der einzelnen Organisationen war kein Zeichen erkennbar. Am 23.12. flog ich dann fuer einige Tage nach Nairobi. Erst nach meiner Ankunft bemerkte ich wie anstrengend das Klima in Kakuma ist:  
Ein Baum im Garten der Jesuitenkommunitaet
in Nairobi (24. Dezember 2010)



In Nairobi herrschen angenehme 27 Grad C, alles  ist gruen, die Blumen bluehen und die Luft ist richtig gut (-ein vollkommener Gegensatz zu Kakuma dort  ist es 35 - 40 Grad heiss, alles trocken - kaum gruen, sondern eher alles ausgetrocknet und  der Staubgehalt in der Luft ist immens). Allerdings kam bei mir zunaechst alles andere als Weihnachtsstimmung auf. Spontan empfand ich : Morgen ist ein grosses Kirchenfest - es wird also wohl die Osternacht  gefeiert. Wer sollte mich vor diesem Irrtum noch retten?

Im Wohnzimmer neben dem Weihnachtsbaum sitzend
zusammen mit zwei kenianischen Jesuiten
Sollte die Rettung etwa in  der Jesuitenkommunitaet. erfolgen? Dort war bereits am 23.12. bei meiner Ankunft alles festlich geschmueckt. An der Plastiktanne (echte Tannen gibt es hier eben nicht) haengen weisse Watte und Papierstreifen, die Schnee einen Schneeersatz darstellen - und ein Schild mit der Schrift "Merry Christmas" laesst einen daran erinnern, dass jetzt Weihnachten und nicht Ostern ist.  An der Decke haengen Girllanden, wie sie bei uns hoechstens an Sylvester oder Fasching zu finden sind - aber auch hier gluecklicherweise zur Orientierung Schilder mit "Merry Christmas". Zusaetzlich gibt es noch viele blinkende Lichter. Am 24.12. lief dann noch zusaetzlich die Boney M  - CD und deren Weihnachtslieder. Wahrhaftig es ist Weihnachten und ich bin zum ersten Mal seit 12 Monaten in Weihnachtsstimmung.Vielleicht ist es nicht der Geschmack eines jeden, aber ich fuehlte mich immerhin erleichtert. Es ist Weihnachten!

An Heiligabend fuhr dann meine Kommunitaet zur Christmette ins Hekima College - dem englischsprachigen, theologischen Ausbildungszentrum fuer Jesuiten in Afrika. Die Messe war sehr festlich und der Kirchenschmuck war sehr ausgefallen. Die Krippe auf dem nachfolgenden Foto steht in der Kapelle der Jesuiten im College. Ist sie nicht schoen? Liebe Mitbrueder - dies ist der Stil der Gesellschaft Jesu heute!  Daran muessen wir uns gewoehnen - es hat sich seit unserem Eintritt eben vieles veraendert.
Die Weihnachtskrippe in der Kapelle des Jesuitenkollegs.
Wenn dies nicht dem Stil der Gesellschaft Jesu entspricht!
Ich bleibe nun noch ca. eine Woche in Nairobi, bevor es wieder nach Kakuma geht. Ich wuensche Euch noch eine gesegnete Weihnachtszeit und dann einen guten Rutsch ins Jahr 2011.

Viele Gruesse aus Nairobi

Christian

Samstag, 18. Dezember 2010

Der Jesuitenfluechtlingsdienst und seine Arbeit in Kakuma

Bisher habe ich Euch ein wenig davon berichtet, wie und wo ich lebe und wie ich die Computertechnologie in mein Herz eingeschlossen habe. Heute moechte ich ein wenig mehr ueber den Jesuitenfluechtlingsdienst und besonders ueber das Projekt in Kakuma erzaehlen.

Der Jesuitenfluechtlingsdienst (JRS)  wurde im Jahr 1980 von P. Arrupe als Reaktion auf die vietnamesischen Boatpeople gegruendet. Bilder gingen um die Welt, wie Menschen von einem Land zum anderen schipperten, von Unwettern betroffen waren und kein Land sie aufnehmen wollte. Mittlerweile arbeitet der JRS in 51 Laendern. Der Jesuitenfluechtlingsdienst hat es sich zur Aufgabe gemacht mit den am meisten Verletzbaren zu arbeiten und ihnen eine Stimme zu geben. Daraus resultieren die drei Prinzipien des JRS: Menschen zu begleiten (to accompany), sie in ihren Beduerfnissen zu unterstuetzen (to serve) und fuer ihre Rechte einzutreten (to advocate). Ein wichtiges Merkmal des JRS ist die Fluechtlinge in die Arbeit aktiv miteinzubeziehen, d.h. Faehigkeiten von Fluechtlingen zu nutzen und sie durch weitere Ausbildung dazu zu befaehigen andere Fluechtlinge zu unterstuetzen und zu begleiten.

In Kakuma betreibt der JRS ein Frauenhaus, einen Beratungsdienst, ein Programm fuer Behinderte sowie ein Ausbildungsprogramm.

Im Frauenhaus - genannt "Safe Heaven" - kommen Frauen unter, die unter haeuslicher Gewalt leiden oder von ihrer Familie/Gemeinschaft verstossen wurden. Meist leiden nicht nur Frauen unter dieser Situation, sondern zusaetzlich noch deren Kinder. Kleinkindern wird die Moeglichkeit geboten eine Vorschule zu besuchen - aeltere Kinder u.U. mit einem Stipendium fuer ein Internat unterstuetzt. Im Durchschnitt sind 9 -10 Frauen mit ihren Kindern an diesem Ort untergebracht.
Kinder, die mit ihren Muettern im Frauenhaus leben, singen einzelne Lieder anlaesslich des 30-jaehrigen Geburtstages von JRS.
Die Fluechtlinge, die im Beratungsdienst mitarbeiten, erhalten Schulungen wie z.B. in aktivem Zuhoeren, therapeutischer Beratung oder Gruppentherapie. Durch Mund zu Mund Propaganda hoert ein Fluechtling von der Moeglichkeit beraten zu werden und ueber einzelne Probleme des Alltags oder der Vergangenheit reden zu koennen. Daraufhin wendet er sich dann an eine Kontaktperson in der Wohnumgebung. Weiterhin werden Massagen angeboten, die koerperliche Beschwerden lindern helfen.

Behinderte sind oftmals am Rand der Gesellschaft (nicht nur in Afrika, sondern auch Europa). Da Eltern sich fuer ihre Kinder schaemen oder vollkommen ueberfordert sind, werden sie versteckt, vernachlaessigt oder unterdrueckt. Im Programm fuer Behinderte werden vorwiegend Menschen mit einer geistigen Behinderung, aber auch Taubstumme und koerperlich Behinderte angesprochen. In Gruppen erlernen sie Grundlegendes zur Bewaeltigung des Alltags und Eltern erkennen, dass auch andere Kinder von Behinderungen betroffen sind. Auch hier erhalten Fluechtlinge Schulungen, um wiederum mit den Behinderten arbeiten.

Im Ausbildungsprogramm erhalten besonders beduerftige Kinder die Moeglichkeit sowohl fuer die Grundschule als auch fuer weiterfuehrende Schulen ein Internat zu besuchen. Viele von ihnen sind taubstumm - einige koerperlich behindert, andere kommen aus einem schwierigen familiaeren Umfeld. Durch regelmaessige Besuche und Gespraeche mit den Kindern wird versucht, der Situation des Kindes moeglichst gerecht zu werden.
Seit kurzem wird ein Fernstudium aufgebaut, an welchem jaehrlich 35 Studenten ein dreijaehriges Studium beginnen koennen. Da viele junge Menschen jahrelang, oftmals 10 - 15 Jahre im Lager verbringen, ist ihnen meist die Chance auf ein Studium genommen - selbst wenn die intellektuellen Faehigkeiten bestehen. Dieses Fernstudium erfolgt nach dem us-amerikanischem Modell in Zusammenarbeit mit einigen Jesuitenuniversitaeten in den USA, welche die Studieninhalte, die Studienbetreuung etc. unentgeltlich zur Verfuegung stellen. Zielsetzung des Studiums ist es Menschen auszubilden, die darum wissen, dass sie Menschen fuer andere sind und sie daher die erworbenen Faehigkeiten grossherzig der Allgemeinheit zukommen lassen.

Aufgrund eines Grossspenders aus den Niederlanden ist die Finanzierung des Ausbildungsprogrammes zum Grossteil gesichert. Hingegen hinterlaesst die Finanzkrise ihre Spuren: Foerdermittel und Spenden sind zurueckgegangen, so dass u.U.  einzelne Bereiche des Beratungsdienstes, des Behindertenprogramms oder des Frauenhauses schrumpfen muessen. Wer mit einer Spende diese Bereiche unterstuetzen will, richte bitte die Spende an:
Kontoinhaber: Jesuitenmission
Kontonummer: 5115582
BLZ 750 903 00 bei der LigaBank
Verwendungszweck: "X42590 Braunigger"
 
Die Spende kommt ausschliesslich dem Projekt in Kakuma zugute und selbstverstaendlich wird nach Eingang der Spende umgehend eine Spendenbescheinigung versandt. 

Sonntag, 12. Dezember 2010

Was mache ich eigentlich hier in Kakuma? (2) - oder - Es läuft wie am Schnürrchen!

Ja - das Internet und die Internetverbindung war zu Beginn mein grösstes Sorgenkind - aber selbstverständlich sollte ich parallel noch Studenten unterrichten (Schreibmaschinenschreiben, in Microsoft Word...), mich zum vorhandenen Generator und Power Backupsystem schlau machen... Da ich dies für Anfang ein wenig steil fand, wollte ich mit dem Chef eine Prioritätenliste ausarbeiten, was leider nicht möglich war. So erzählte ich gelegentlich, dass ich in der letzten Woche auch Studenten unterrichtet hätte. Dies war nicht gelogen, aber es handelte sich meist um 10 - 15 Minuten pro Woche. Erkenntnisgewinn: Manche Menschen sind so leicht zufrieden zu stellen.

Das gesamte Internet und Netzwerksystem war erst vor kurz vor meiner Ankunft eingerichtet worden bzw. sollte von mir noch geschaffen werden. Mein Hauptproblem bestand vor allem darin zu verstehen, weshalb Dinge auf entsprechende Weise realisiert wurden. Mit Sicherheit hat alles seinen Grund (und sei es nur, dass eine Firma noch ein zusätzliches Gerät mehr verhökern konnte - Gewinnmaximierung ist ja durchaus ein Grund), doch leider konnte mir niemand den tieferliegenden Grund verraten. Ich fühlte mich einem gehörigen Druck ausgesetzt, da nicht nur der Chef, sondern auch einige andere schnelle Erfolge sehen wollten.

Viele Geschichten könnte ich erzählen. Nur eine möchte ich kurz berichten. Nach rund zwei Wochen hatte ich das Gerät identifiziert, welches die Internetprobleme verursachte, nämlich ein Router (wenn das Internet nicht funktionierte, antwortete er nicht auf gezielt an ihn gerichtete Signale - und nachdem ich den Strom abgeschaltet und wieder eingeschaltet hatte, antwortete er wieder und das Internet funktionierte wieder prächtig). Also forderte ich vom Internetprovider einen neuen Router an. Nachdem dieser hier ankam (was natürlich weitere zwei Wochen dauerte), funktionierte wiederum nichts. Schliesslich kam ich durch Zufall auf die Lösung. Im Netzwerk befinden sich mehrere Router (weshalb konnte mir bis heute niemand sagen - und bleibt für mich ein absolutes Rätsel - aber es gibt mit Sicherheit einen tieferliegenden Grund und sei es nur Geschäftsinteresse des Lieferanten). Alle Router hatten als Einstellung die Befugnis eine Netzwerkadresse zu vergeben. Wenn nun ein Router bereits die Netzwerkadresse vergeben hatte und ein anderer Router ebenfalls diesem Gerät eine Netzwerkadresse zuweisen wollte, so kam entweder das Gerät oder das gesamte Netzwerk zum Stillstand.

Als ich wie häufig an zwei Computern parallel arbeitete,
kam ich (zufällig?) auf die Lösung des Internetproblems.

Hört sich nun ein wenig kompliziert an, aber die Qunitessenz ist:
Eine Firma, die auf Netzwerkinstallation spezialisiert ist, verkaufte uns die Geräte und richtete alles ein. Also - so naiv wie ich bin - ging ich davon aus, dass sie eine Ahnung haben und alles richtig eingestellt haben. Daher nahm ich zuerst an, dass ein Gerät kaputt ist, aber dies war nicht Ursache. Lediglich aufgrund der Einstellungen funktionierte die Kommunikation zwischen den Routern nicht. Ich änderte also die Einstellungen - und seitdem funktioniert alles wie am Schnürrchen. Habe ich nicht gesagt: Ein geeigneterer Fachmann hätte gar nicht gefunden werden können?

(Der eine oder andere hält jetzt wahrscheinlich mein Selbstvertrauen für grenzenlos. Doch gelegentlich zweifle selbst ich an meinen Fähigkeiten. Kurz nachdem ich diesen Post geschrieben hatte, telefonierte ich mit einem Freund über Internet. Dieser freute sich ueber die perfekte Qualität der Verbindung, worauf ich es mir nicht verkneifen konnte zu erwähnen, wer hier fuer das Internet verantwortlich ist! Kaum gesagt - und noch ein weiteres Wort des Lobes erhascht, schon bricht die gesamte Internetverbindung zusammen! Sollte ich vielleicht weniger selbstbewusst auftreten? Aber nein, schliesslich habe ich das Internetproblem ja gleich am nächsten Morgen wieder gelöst! :))

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Was mache ich eigentlich hier in Kakuma? - oder - Aller Anfang ist schwer!

Wie ich Euch bereits vor einigen Wochen per e-mail berichtet habe, wurde meine Destination in letzter Minute geändert, so dass ich mit dem Flugzeug anstatt in Bangui (Republik Zentralafrika) in Nairobi (Kenia) ankam. Nach Abschluss meines Studiums als Wirtschaftsingenieur und dem Eintritt in den Jesuitenorden - malte ich mir verschiedene Aufgaben aus, die mich aufgrund meines Studiums eines Tages erwarten könnten (wie z.B. Ökonom). Eines habe ich mir jedoch sicherlich nicht einmal in den kühnsten Träumen vorgestellt, nämlich eines Tages verantwortlich für das Computernetzwerk und die gesamten IT Angelegenheiten zu sein. Doch genau diesen Auftrag erhielt ich und wurde damit ins Flüchtlingslager nach Kakuma geschickt. 
Nun ja - die legendären Vorlesungen zu JAVA bei Prof. Dr. Detlef Seese habe ich mit Erfolg überlebt - die Prüfungen zu Einführung in die Informatik 1,2 und 3 ebenso mit beachtlichem Erfolg bestanden - und selbst die Vorlesungen zu den Echtzeitsystemen konnte ich überwinden. Ein geeigneterer Fachmann hätte also gar nicht gefunden werden können.
Meine Stimmung kurz nach Ankunft in Kakuma: Eine Mischung zwischen Weinen, Lachen und Schreien. Wie soll ich in dieses Durcheinander Ordnung bringen und die vielen Probleme lösen?





Am Tag nach meiner Ankunft in Kakuma führte mich der Projektleiter JRS (ein Kenianer und Nichtjesuit) zu den Orten meiner Tätigkeit. Die Dialoge liefen wie folgt ab:

1. Projektleiter: Hier ist der Mast - hier kommt das Internet vom anderen Ort etwa drei Kilometer entfernt an. Und hier sind die gesamten Kabel. Und irgendwo hier gibt es zwei Sender, durch die wir eigentlich Wireless Internet haben sollten. Aber es funktioniert nicht. Das musst Du lösen.
<Gang in ein Büro&gt; Und hier ist ein Router und noch ein paar Dinge (u.a. einige Kabel)
ICH: Wofür ist dieser Router und welches Kabel führt zum Mast und..
Antwort Projektleiter: Keine Ahnung - vielleicht so oder so? Ich habe keine Ahnung - und hier hat niemand eine Ahnung.

2. Fahrt zu einem anderen Gebäude im Camp.
Projektleiter: Hier ist der Mast und hier kommt das Internet an - und wird irgendwie dann zum anderen Ort gesendet.
ICH: Welches Gerät ist wofür verantwortlich und welches Kabel führt wohin?
Projektleiter: Keine Ahnung.
<Gang in einen Raum&gt;

Projektleiter: Hier sind zwei Router und noch ein paar andere Geräte. (Anmerkung von mir: Und es gab noch viele, viele Strom- und Internetkabel)
ICH: Und was ist wofür da?
Antwort Projektleiter: Keine Ahnung. - Und hier haben wir noch ein Backup System (viele Batterien, die vom Generator geladen werden und den Computerraum und den Serverraum bedienen). Und hier ist noch der Generator.

Im Groben war dies die Einführung. Das Internet war instabil - mal hat es funktioniert - mal war es aus. Dann war es langsam - und mal ordentlich. Das Wireless Internet im Büro und Wohnbereich hat an manchen Stellen überhaupt nicht funktioniert - an anderen nur gelegentlich... "So und das musst Du jetzt lösen." Blöderweise hatte ich den Eindruck, dass alles am Besten am folgenden Tag gelöst sein sollte. Dieser Eindruck erhärtete sich, nachdem ich am darauffolgenden Tag ein Problem gelöst hatte (im Anschluss an ein Telefonat mit einem der vielen Lieferanten). ICH darauf zum Chef: "Das Wireless Problem im Bürobereich ist gelöst" Antwort: "Und was ist mit dem Internet im Wohnhaus?"

Wie heißt es so schön: Aller Anfang ist schwer!  ----  Und ich lebe immer noch!

Samstag, 4. Dezember 2010

Meine Wohnsituation - oder - Der Höhepunkt meiner jesuitischen Laufbahn

Unser Wohnhaus in Kakuma ist ganz nett. Jeder hat sein eigenes schlicht eingerichtetes Zimmer mit WC/Dusche (solch einen Luxus hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht! Da muss ich nach Afrika fahren - und in einem Flüchtlingslager arbeiten, um ein Zimmer mit eigenem WC/Dusche zu erhalten). Die Atmosphäre ist ein wenig wie im Studentenwohnheim – dass ich in einer solchen Situation nochmals leben würde, hatte ich eigentlich nicht gedacht. Die Mitbewohner/innen kommen aus Kenia, Amerika, Australien, Österreich und Tschechien. Froh bin ich, dass wenigstens ein Jesuit hier vor Ort ist – es macht die Lage für mich angenehmer, weshalb lässt sich jedoch nur schwer beschreiben. Wahrscheinlich weil ich aufgrund der ähnlichen Prägung wesentlich leichter Dinge mit ihm besprechen kann. Diese Wohnsituation hatte ich so nicht erwartet und es hat einige Wochen gedauert, bis ich mit damit gut arrangieren konnte. Wenn man die Bäume so sieht, könnte man kaum vermuten, dass es nur ganz selten regnet, anscheinend kommen sie mit enorm wenig Wasser aus und bleiben trotz der Hitze noch grün.


Mit Sicherheit bin ich im Zenit meiner jesuitischen Laufbahn in Sachen Bettwäsche. Eine Steigerung wird es nur noch schwer geben können - oder können diese Bilder lügen?

Die Bettwäsche wird einmal wöchentlich gewechselt - als ich vor kurzem am Montag von der Abend zurückkam, fand ich diese Bettwäsche vor: Barby und Ken. Ich bin mir sicher, jeder Mitbruder ist so richtig neidisch.

Dienstag, 30. November 2010

Kakuma - in the middle of nowhere -

Seit acht Wochen bin ich nun bereits in Kenia und seit sechs Wochen im Flüchtlingslager. Endlich kann ich mich aufraffen ein Lebenszeichen zu geben und etwas ausführlicher von meinem Umfeld und meinen Lebensbedingungen berichten.
Kakuma - im Nordwesten Kenias
Insgesamt geht es mir ganz gut. Obwohl ich schon fast zwei Monate in Afrika bin, hatte ich bisher keinerlei gesundheitliche Probleme (nicht einmal Durchfall) - mein Geheimrezept lautet: Joggen bei 40 Grad im Schatten. Alle tropischen Krankheiten wie Malaria - aber auch Durchfall und vieles mehr bekämpfe ich erfolgreich mit Joggen gehen, wenn es draußen noch heiß ist - und daher meine Körpertemeratur auf ca. 41 Grad ansteigt (bei Außentemperatur 40 dürfte dies doch hinhauen, oder?) - dann sind alle Erreger dahingestreckt. Ist für meine Theorie der Krankheitsbekämpfung durch Joggen ein wissenschaftlicher Beweis notwendig? Bitte! ICH bin der empirische Beweis.

Die letzten Wochen waren teilweise sehr anstrengend, - (aufgrund der Hitze, einer ungewohnten Kultur, vielen kniffligen Aufgaben...), so dass ich abends oder am Wochenende nicht zu sehr viel kam. Der Ort an dem ich mich aufhalte heisst Kakuma und liegt in der Region Turkana. Kakuma heisst uebersetzt "Nirgendwo". Dieser Name beschreibt voll und ganz die Lage des Ortes - Kakuma liegt "in the middle of nowhere". Der Ort hat etwa 90.000 Einwohner (inklusive der vielen kleinen, etwas abgelegenen Siedlungen) - das Flüchtlingslager hat in etwa 80.000 Flüchtlinge. Es ist trocken, heiss und sehr staubig. Oftmals frage ich mich, woher das Trinkwasser kommt (klar aus Bohrlöchern) - aber wie kommt es dorthin - wie groß sind die Wasserreserven? Es regnet kaum – anscheinend regnet es lediglich einige Tage im Jahr sehr stark - und zusätzlich führt ein meist ausgetrockneter Fluss zu diesen Zeiten auch viel Wasser, welches aus Uganda kommt.

Die Umgebung von Kakuma
Viele Kenianer fühlen sich nicht mit der Region Turkana verbunden - daher kann man anscheinend in vielen Landesteilen hören, dass Turkana doch eigentlich gar nicht zu Kenia gehöre. Ist es ist doch so ganz anders  - sowohl die Kultur als auch das Klima. Diese Haltung scheint auch in der Regierung weit vertreten zu sein - anders lässt sich kaum erklären, dass in allen erdenklichen Programmen sehr stark vernachlässigt werden.  Als vor einiger Zeit Unabhängigkeit gefeiert wurde und in den Medien die Fortschritte gepriesen wurden, konnte ich nur sagen - für Turkanas hat sich seit der Unabhängigkeit kaum etwas verändert. In einer vernachlässigten und sehr armen Gegend sind nun schon seit zwei Jahrzehnten tausende von Flüchtlingen angesiedelt.

Und noch ein Blog!

Liebe Freunde,

lange Zeit habe ich gegrübelt, ob ich einen Blog erstellen soll - schließlich wird ohnehin schon so viel Banales gebloggt - sollte ich mich da sogar noch anschließen? Aber der Blog hat auch einen Vorteil: Ich kann leicht einige Neuigkeiten einer breiten Vielzahl an Menschen zukommen lassen. Daher werde ich in den kommenden Monaten versuchen regelmäßig eine Nachricht zu verfassen.


Viele Grüße aus Kenia

Christian